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Keine Gottesdienste mehr in BrockhagenMontag, 22.06.2009

Der Standort der Neuapostolischen Kirchengemeinde Brockhagen in der Uhlandstraße wird Ende des Monats Juni aufgegeben. Der zuständige Apostel Walter Schorr aus Münster wird am Sonntag, 28. Juni, im Rahmen eines Festgottesdienstes bekanntgeben, dass das Kirchengebäude künftig verschlossen bleibt. Die Gemeindemitglieder verteilen sich auf die umliegenden Gemeinden.


Zur bevorstehenden Schließung befragt die Redaktion von „NAK Bielefeld“ den Leiter der Gemeinde, Hirte Rainer Mittag

Frage: Wann wurde die Gemeinde Brockhagen gegründet, wie groß ist sie heute und wann sind Sie (Vorsteher) Leiter geworden?

Hirte Mittag: Der offizielle Gründungstermin der Gemeinde ist der 1. Dezember 1977. Dieses Datum zeigen die ersten Einträge im Kirchenbuch. Gottesdienste der Neuapostolischen Kirche fanden in Brockhagen aber schon seit 1964 statt, zunächst unter sehr einfachen Verhältnissen auf einem Bauernhof. Das Kirchengebäude in Brockhagen wurde am 9. Februar 1978 durch den damaligen Apostel Hermann Engelauf aus Bielefeld eingeweiht. Heute hat die Gemeinde 80 Mitglieder. Diese wohnen nicht nur in Brockhagen, sondern auch in Steinhagen, Marienfeld, Harsewinkel und Greffen. Ich selbst bin seit Ende 2003 Vorsteher der Gemeinde.

Frage: Was haben Sie empfunden, als Ihnen gesagt wurde, dass der Gemeindestandort aufgegeben werden soll und wann haben Sie es erfahren?

Hirte Mittag: Gespräche über eine notwendige Neuorganisation der Gemeindestrukturen, verursacht durch die allgemeine demographische Entwicklung, gibt es bereits seit einiger Zeit. Dass unsere Gemeinde wegen ihrer Größe von diesen Maßnahmen betroffen sein würde, war im Prinzip auch allen klar. Ich selbst war einige Male an grundsätzlichen Gesprächen über die weitere Entwicklung beteiligt und habe dabei Vor- und Nachteile der verschiedenen Alternativen aus meiner Sicht dargestellt. Als Anfang März dieses Jahres die endgültige Entscheidung bekannt gegeben wurde, war dies somit keine wirkliche Überraschung. Dennoch war dies auch für mich ein schmerzlicher Augenblick.

Frage: Wie hat die Gemeinde darauf reagiert? Wie waren die Empfindungen?

Hirte Mittag: Natürlich waren alle Mitglieder unserer Gemeinde sehr betroffen. Nachdem die Entscheidung des zuständigen Bezirksapostels Armin Brinkmann aus Dortmund verlesen worden war, standen in vielen Augen Tränen. Dies wird verständlich, wenn man bedenkt, was die Gemeinde für die aktiven Geschwister bedeutet. Es ist nicht nur der Ort, den man besucht, um einen Gottesdienst zu erleben, sondern auch der Ort, an dem man Freunde und Vertraute trifft. Viele dieser Beziehungen untereinander haben sich im Laufe von Jahrzehnten entwickelt und vertieft. Wegen der örtlichen Verteilung der Wohnorte werden die Gemeindemitglieder zukünftig verschiedene Gemeinden besuchen, hauptsächlich sind dies Quelle und Gütersloh. Somit bedeutet die Schließung auch, dass einige unserer Mitglieder sich zukünftig sehr viel seltener sehen werden.

Frage: Was wird nun aus dem Gebäude, soll es verkauft werden?

Hirte Mittag: Dazu habe ich keine Informationen.

Frage: Im Kirchenbezirk Bielefeld sollen in diesem Jahr noch mehrere Kirchengebäude aufgegeben werden. Was für einen Rat haben Sie für die betroffenen Glaubensgeschwister?

Hirte Mittag: Mein erster Rat gilt denen, die die Geschwister betreuen. Ihnen empfehle ich dringend, das Gespräch mit jedem Einzelnen zu suchen und nicht darauf zu vertrauen, dass mit Informationsveranstaltungen alle Gemeindemitglieder erreicht werden. Dann muss berücksichtigt werden, dass der Einzelne für das Verarbeiten einer solchen Entscheidung eine gewisse Zeit benötigt. Erst danach ist es möglich, konstruktive Gespräche zur Hinwendung auf die neue Situation zu führen. Den Gemeindemitgliedern empfehle ich, sich - wenn es auch anfangs schwer fällt - eine positive Einstellung bezüglich der Veränderung zu erarbeiten und sich bewusst zu machen, welche neuen Möglichkeiten sich durch die veränderte Situation ergeben.

Heiko Johanning